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Freitag, November 18, 2005

Bekannte Gesichter und Stimmen/ Synchro vs. Original

Dieser Post schließt an den Cineasia-Post an, bzw. an den Abschnitt über den Film Juon. Also vieleicht zu erst den Lesen. Ansonsten als Einstieg: Es geht um die unterschiedliche Wirkung von Original und Remake und von Synchronisation:

Bekannte Gesichter und Stimmen
Ein Grund warum die Remakes der japanischen Filme nur leidlich funktionieren ist, dass man in Amerika immer versucht aus den Filmen Starvehikel zu machen. Die japanischen Schauspieler sind, wenn sie den nicht Laien sind, dem westlichen Publikum nicht bekannt. Anders ist es mit en amerikanischen Schauspielern. Sarah Michelle Gellar zum Beispiel ist nun mal erstens vielen Menschen bekannt und zweitens ist sie BUFFY! Da nimmt man ihr die kleine, "schwache" Frau nicht ab. Man erwartet die ganze Zeit, das sie einen Holzpflock oder einen Zaubertrank aus der Tasche holt und kurzen Prozess mit dem Geist macht. Auch in den anderen Remakes tauchen bekannte Gesichter auf, wie z.B. Jennifer Connely (Dark Water) oder Naomi Watts (The Ring).

Die asiatischen Horrorfilme funktionieren aber gerade deswegen so gut, weil man die Menschen nicht kennt. Das führt dazu, das man die Welt auf der Leinwand stärker als "Realität" wahrnimmt. Durch das Fehlen eines bekannten Gesichts als Hinweis auf die Fiktion des Geschehens, steigert sich die Spannung und die Bilder können sich viel hinterhältiger im Gehirn festkrallen, so dass man sich beim Verlassen des Kinos erschreckt nach Geräuschen aus dem Dunkel der Nacht umdreht.

Auch die aufwendige und perfekte Produktion der amerikanischen Versionen steht dem echten Grusel im Weg. Die ersten jap. Grudge/Ringfilme etc. kommen zum Beispiel fast ohne Computereffekte aus. Die Nutzung von rein analogen Tricks wie Schminke, Filmblut oder von mir aus auch Puppen etc. verankert den Horror viel stärker in der Realität und verstören dem entsprechend viel mehr als der digitale Geist aus z.B. dem Grudge-Remake.

Synchro vs. Original
Was der Realität und der Wirkung der Originale auch hilft, ist der Genuss der Originaltonspur. Nein ich kann auch kein Japanisch, aber dafür gibt es ja Untertitel. Gut, hier sind wir schnell bei der Diskussion "Original oder Synchronisation". Da gibt zwei Parteien und bei beidem Vor- und Nachteile. Um diese Diskussion abzukürzen - Der Originalton ist eigentlich immer der Synchro vorzuziehen. (Auch wenn man sich an manch´ alte Filme (Prä-Englischlernen) im original nur schwer gewöhnen kann...)

In Deutschland ist die Synchronisation zwar ziemlich professionell, aber kann einfach nicht mit der Wirkung des Originaltons mithalten. Es hört sich halt immer zu sauber, zu artifiziell an. Jetzt kann nicht jeder alle Sprachen und fühlt sich auch in denen, die er kann, nicht sicher genug, um alles zu verstehen, aber der Versuch lohnt sich. Am Anfang mag mancher Slang oder manche Aussprache schwer zu verstehen sein oder bei Untertiteln das Lesen etwas ablenkend, aber die Atmosphäre die man dafür gewinnt, wiegt das alle mal auf. Außerdem gewöhnt man sich schnell daran und außerdem lernt man auch noch.

Man kommt ja nicht jeden Tag dazu Englisch zu sprechen und zu üben, aber ich behaupte, das man durch den Konsum der Film, Bücher und Comics im Original einiges für seine Sprachkentnis tun. Man versteht auf einmal bestimmte Wortspiele, popkulturelle Anspielungen, typische Sprachgewohnheiten oder auch Slangs etc.. Neben dem Gewinn dieses auch im Alltag behilflichen Wissens, erhöht sich der Mehrwert des Films, durch den Spaß an den sprachlichen und inhaltlichen Komponenten. Denn nicht nur der atmosphärischen Verlust ist bei der Synchro zu beklagen, sondern eben auch der von Inhalt - Sprachwitz und spezifische landestypische popkulturelle Anspielungen etc.. Die Zeiten, zu denen landestypischer Slang oder lokale Dialekte einfach in deutsche Dialekte übersetzt wurden (Da sprach der Schotte dann schon mal Bayrisch oder Platt), scheinen zwar vorbei zu sein, aber es gibt bei der Wahl der Sprechern und bei der Übersetzung doch immer noch viel Schrott, bzw. auch das Problem, dass sich einfach nicht alles übersetzen lässt.

Ein paar kleine Beispiele:

Finding Nemo: Die Hai wurden unter anderem von Erkan und Stefan synchronisiert. Aus dem schottischen Akzent wurde das bekannte Proletendeutsch.

Ali G in da House: Der wirklich witzige Ali G wurde hier in Deutschland vom Viva-Zombie Mola Adebesi synchronisiert und damit der Film unerträglich gemacht.

Waterboy: Ein ähnliches Schicksal erfuhr der Adam Sandler Film, der von dem fast noch unerträglicheren Richy vernichtend ins Deutsche überführt wurde.

Ali: In der Muhammed Ali Film-Biografie vom genialen Michael Mann, spielte Will Smith in einer seinen wenigen ernsten Rollen - Ali. Um die Rolle perfekt auszufüllen lernte er nicht nur die Bewegungen des Boxers, sondern perfektionierte auch dessen Sprachstil. Eine Anekdote besagt, das Will Smith um seinen Fortschritt zu testen, Ali´s Mutter angerufen und sich als ihr Sohn ausgegeben hatte und diese ihn nicht erkannte. In der synchronisierten Fassung spricht der übliche Smith Synchronsprecher die Figur und das auch noch in seinem üblichen „Prinz von Bell Air“ Stil. Es wurde gar nicht erst der Versuch gestartet den Originalstil zu treffen.

Blair Witch Projekt: Gut, als der Film hier an kam, konnten die wirklich gelungen Marketingaktion um den Film nicht mehr funktionieren, dafür war schon zu viel bekannt geworden, als das man den Grusel des „Original Dokumentarfilmmaterials/ Der echten Geschichte“ noch nachvollziehen und erleben konnte. Was dem Film dann den Todesstoß gab war, ratet mal … die Synchro. Auch der Film lebte durch seine „Authentizität“, so zum Beispiel, den bis dahin völlig unbekannten Schauspielern. Wenn man dann aber hingeht und den Figuren die Stimmen von „Brandon“ aus Beverly Hills 90210 und „Gaby die Pfote“ von TKKG gibt, ist dieser Effekt natürlich komplett im Eimer.

Filme die vom Dialog leben:
Beim letzen BangBoomKrack-Film vom Stevan Segal ist es natürlich nicht so wichtig den Film im Original zu schauen, aber viele andere Filme leben vom Wortwitz, vom Sprachstil etc.. Bei Komödien kann man viele der Witze nicht übersetzen und manch einen Film will man sich eigentlich wegen des Stils des Komikers anschauen. Auch bei den ganzen Zeichentrickfilmen entgehen einem auf deutsch die Originalstimmen, die meist hochkarätig besetzt sind. Was dann dazu führt, das man bei Shreck statt der witzigen Stimme von Mike Myers, Sascha Hehn zu hören bekommt (Slang geht auch hier flöten). Man könnte das jetzt unendlich fortführen, und zum Beispiel auf die ganzen Fernsehserien hinweise, wie z.B. Friends und Futurama, die bei der Übersetzung soviel verlieren. Bei Futurama im Original kugelt man sich vor lachen, während die deutsche Fassung nicht viel mehr als ein Schmunzel erzeugt...

Es ist echt nicht zu verstehen, warum man nicht wie in Holland die Originale mit Untertitel zeigt. Das würde den Filmen gut tun und auch den Sprachkenntnissen der deutschen Zuschauer.